Die Ausdehnungsmethode

Theory of subtle fieldsVom „unendlichen Bewusstsein“ zu sprechen, kann mitunter nach etwas ziemlich weit Entferntem klingen, als würde es um ein fernes, kaum erreichbares Phänomen gehen, mit dem wir gerne in Kontakt kommen möchten. Dabei handelt es sich beim unendlichen Bewusstsein letztlich um uns selbst.

Das Bewusstsein des Universums ist unser Bewusstsein, nur eben ohne die Grenzen, die wir in uns erschaffen haben: die Grenzen von Subjekt und Objekt, Konzepten und Definitionen, Identität, Anziehung und Ablehnung, Zeit, Raum und Erinnerung. So haben wir eine große Fragmentierung und Verengung entstehen lassen. Doch sind wir gleichermaßen in der Lage, eine Ausdehnung des Bewusstseins zuzulassen.

Je mehr wir eine Ausdehnung unseres Bewusstseins ermöglichen, desto mehr breitet es sich in immer weiter werdenden zirkulären Bewegungen aus. Und jeder weitere „Kreis“ nimmt den engeren Kreis, der ihm vorausgegangen ist, in sich auf. Unser Bewusstsein wird allumfassend. Es ist nicht darauf angewiesen, irgendein einzelnes Element zu negieren oder zu verleugnen. Es enthält einfach mit jedem Wachstum die früheren kondensierteren und begrenzteren Elemente – so geht mit der Zeit nichts verloren, das Gewahrsein wird nur immer breiter.
Solch ein Zustand ist für uns der gesündeste und natürlichste. Er ist weitaus natürlicher und gesünder als gefangen zu sein in einem anhaltenden Zustand der Begrenzung und Verengung. Dem menschlichen Bewusstsein ist dieser Impuls zur Ausdehnung nur allzu vertraut. Solange es nicht erkannt hat, wie genau es diese frühe Erinnerung zum Leben erwecken kann, trachtet es nach einer Erfüllung in Form von Vorstellungen und Fantasien, technologisch gottgleicher Herrschaft, der Flucht in virtuelle Realitäten, revolutionären Ideen sozialer oder kultureller Befreiung oder sogar ungehemmter Sexualität.

Sobald dieser Impuls jedoch bewusst wird, kann er sich absichtsvoll und willentlich in Richtung der eigentlichen Natur des Bewusstseins bewegen. Wenn dieser Impuls anfängt, seine Erfüllung finden, empfinden wir ein tiefgreifendes Aufatmen, dann ein Glück, das den Begrenzungen der gewöhnlichen menschlichen Erfahrung nicht zugänglich ist, anschließend Ganzheit und, daraus hervorgehend, Wahrhaftigkeit. Wir werden schlichtweg zu uns selbst.

 

Alles kann sich ausdehnen

Ich habe die „Ausdehnungsmethode“ mit der Absicht entwickelt, diesen natürlichen Impuls zur Ausdehnung des Bewusstseins zu erwecken und ihn bewusst auf die Erfüllung zu richten. Sie umfasst Meditationen und Techniken, die diesen Impuls bei Praktizierenden auf äußerst zugängliche Weise beleben: eine schlichte Sammlung von Anweisungen zur Fokussierung, Visualisierung und Atmung, die auf intuitive Weise das dem Bewusstsein inhärente Bestreben nutzt, sich aller Limitierungen und Verengungen zu entledigen, um sich der eigenen Unendlichkeit zuzuwenden. Unserem Bewusstsein gelingt dies recht mühelos, handelt es sich doch um seine eigentliche Natur. Es hat sogar den Anschein, als habe es nur darauf gewartet, die richtigen Anweisungen zu hören; präzise Codes, mittels derer schlummernde Qualitäten geweckt werden. Anders als viele andere spirituelle Praktiken hat Ausdehnung nichts mit Dissoziation zu tun – etwa indem wir uns durch ein neutrales Beobachten von Gedanken und Emotionen von einigen Elementen in uns zu lösen versuchen, um einen bestimmten Zustand zu erreichen. Während diese Praktiken das Prinzip der Desidentifikation anwenden, basiert Ausdehnung auf dem Prinzip von Aufnahme und Ausbreitung. Es handelt sich um eine Bewegung tiefster Positivität, die die spirituelle Natur jedweden Elements in diesem Universum bejaht. Niemals wird ein Element abgewiesen mit der Behauptung, es sei zu „begrenzt“ oder „verdichtet“ und deshalb „unspirituell“.

Zum Beispiel könnte jemand denken, dass eine traumatische Erinnerung oder Ärger nicht „spirituell“ genug ist und es – sofern man den Wunsch verspürt, sich spirituelle zu transzendieren – darum geht, sich davon zu lösen und darüber hinwegzugehen. Doch Ausdehnung meint nicht bloße Transzendierung. Im Gegenteil, sie basiert auf der Überzeugung, dass es sich bei jedem begrenzten Element des Universums – also auch jeder schrecklichen Erinnerung, jedem konditionierten Gedanken oder jeder Grundemotion – letztlich um das unendliche Bewusstsein in verkleideter Form handelt. Es gibt einfach nichts, was frei ist von einem grenzenlosen Potenzial. Alles ist auf natürliche Weise spirituell, da der Kosmos selbst nichts anderes als Spirit ist, der sich zu Materie kondensiert hat und sich nun in allen materiellen Erscheinungen versteckt, nur darauf wartend, aufgedeckt zu werden. Da das Universum Bewusstsein in einem kontrahierten Zustand ist, bedarf es nur eines Offenbarens seiner grundlegenden energetischen Realität.

Der Vorteil eines solchen Ansatzes besteht darin, dass das Bedürfnis, etwas zu unterdrücken, nicht mehr fortbesteht. Häufig sehen wir uns gezwungen, etwas zu unterdrücken, entweder weil wir uns psychologisch nicht in der Lage sehen, mit etwas umzugehen, und es einpferchen wollen, oder weil uns spirituell daran gelegen ist, unser Selbstbild als spirituell „rein“ aufrecht zu erhalten. Ausdehnung ist allumfassend, und somit handelt es sich auch um eine einzigartige Form innerer Alchemie – etwas, das auf den ersten Blick wie billiges Metall aussieht, verwandelt sie in schillerndes Gold –, wobei es einen wichtigen Unterschied zur althergebrachten Alchemie gibt: Sie vollbringt dies, indem sie einfach nur offenbart, dass das billige Metall in seiner Essenz immer Gold gewesen ist.

 

Wie Ausdehnung funktioniert

Damit diese Alchemie sich vollziehen kann, genügt es, mithilfe der inneren Sinne des Geistes die Muster eines bestimmten Elements in einem zu identifizieren. Sobald das Muster vollends erkannt ist, können wir sehen, dass es bestimmte Grenzen aufweist. Von diesem inneren Bild ist der Weg zur Ausdehnung ziemlich kurz, da der natürliche Impuls, all diese Barrieren zu durchbrechen, sowohl unseren Gedanken, Emotionen und Empfindungen als auch unserem gesamten Bewusstsein zu eigen ist. Da alles sich nach diesem ursprünglichen unbegrenzten Zustand sehnt, verflüssigt sich das Muster und strömt, zusammen mit unserem Bewusstsein, rasch einem Durchbruch entgegen. Dies ist es, was den Ausdehnungsprozess zu einem befriedigenden Ereignis werden lässt: unser wachsendes Vertrauen, dass nichts in uns wirklich wünscht, beschränkt zu bleiben. Jedes einzelne Element unseres Seins strebt danach, von der stickigen Begrenzung befreit zu werden.

Jede Ausdehnungsreise ist eine Exkursion in die weitreichenden Felder unseres Bewusstseins, das keine Grenze, kein Ende kennt. Ein Abtauchen in den grenzenlosen Prozess der Selbstentdeckung, als wäre unser Sein ein grenzenloser Gang mit unzähligen möglichen Türen. Diese Bewusstseinsreise ist nicht weniger als die subjektive Erkundung des Universums, da das Universum und das Bewusstsein ein und dasselbe sind; beim Bewusstsein handelt es sich einfach nur um das Innere des Universums.

Eine Vorahnung mystischer Erleuchtung

Auf diese Weise können wir recht einfach mit unserem Geist in erleuchtete Bewusstseinszustände gelangen und lernen so nicht nur unmittelbar, wie spirituelle befreite Wesen wahrnehmen und erfahren, sondern auch, wie weit wir innerhalb unseres eigenen Bewusstseins reisen können. Es gibt keinen rechtfertigenden Grund, uns weiterhin in die winzige, schlecht belüftete Schachtel unserer angesammelten Erinnerungen zu quetschen, die wir fälschlicherweise als unser „Ich“ bezeichnen. Uns ist von Anfang an das Schicksal vorherbestimmt gewesen, der Kosmos als Ganzes zu sein. Mit jeder Erfahrung dieser Art, bei der unser Bewusstsein sich in seine eigentlichen Maße ausdehnt, steigt die Kundalini-Kraft in unserer Wirbelsäule empor und die Chakren fangen an, bestmöglich zu wirken, indem sie als ein Kontinuum von Gewahrsein miteinander harmonisieren. Insofern entwickelt Ausdehnung den Körper in unserem Körper – das subtile Körperfeld der Ausdehnung.

Ausdehnung als eine tägliche Praxis

Ausdehnung transformiert uns stetig und lässt die Begrenzungen unseres Geistes dahinschmelzen. Meinem Verständnis nach kann ein tägliches Üben der Ausdehnung als Hauptelement der spirituellen Praxis uns tiefgreifend verändern. Mit jedem Tag, der verstreicht, etabliert sich eine neurologische und energetische Harmonisierung mit dem unbegrenzten Zustand der Erleuchtung, was uns letztlich dazu befähigt, unsere frühere, weitaus zusammengezogenere Identität einzutauschen gegen eine neue und weitreichendere.
Ausdehnung kann die traditionelle Meditation ersetzen. Sie ermöglicht einen unmittelbaren und direkten Sprung in die Welt der Erleuchtung. Sie strömt ohne Umwege zur Schatztruhe unseres Bewusstseins. Aus diesem Grund bezeichne ich sie auch als „Highway“ oder Königsweg zur Selbsttranszendenz.
Die Ausdehnung verfolgt zweierlei Absichten: Einerseits geht es darum, die unbegrenzte Natur unseres menschlichen Bewusstseins zu offenbaren, andererseits ermöglicht sie, in unserer begrenzten Realität von diesem Ort aus zu handeln. Die meiste Zeit versuchen wir, von unseren begrenzten Gedanken, Emotionen und Wahrnehmungen aus die begrenzte Realität unserer menschlichen Erfahrung zu beeinflussen. Da es aber der Zustand unseres Bewusstseins ist, der unsere wahrgenommene Realität formt, sollten wir die Möglichkeit, von einem Standpunkt ausgeweiteten Bewusstseins aus zu handeln, ernsthaft in Betracht ziehen. Dies kann letztlich einen beidseitigen Strom zwischen den beiden Welten in Gang setzen: Genauso, wie die begrenzte Realität angehoben wird, indem sie dem Unbegrenzten entgegenströmt, kann das Unbegrenzte stetig in Richtung der begrenzten Realität der materiellen Ebene strömen.

Wenn du die Ausdehnungsmethode lernen und üben möchtest, lies „A Guide to Bliss“