Power-Psychologie

psychic developmentDas Leben kann sich anmutig, zärtlich, lieblich und angefüllt mit Schönheit anfühlen. Gleichzeitig kann es sich oft auch in etwas Aggressives, Forderndes, Stressiges und Beängstigendes verwandeln. Das Leben, womit neben der biologischen und physischen Dimension auch das Phänomen menschlicher Kultur gemeint ist, hat viele Gesichter – doch es sind sicherlich die Momente, in denen es in Form eines überwältigend intensiven und unentrinnbaren Ereignisses in Erscheinung tritt, auf die wir dann mit Widerwillen reagieren und dem Wunsch, uns zurückzuziehen oder uns gar in einer dunklen Ecke unserer Innenwelt zu verstecken.

Dass etwas derart aggressiv in Erscheinung tritt (was uns ein ums andere Mal daran erinnert – für den Fall, dass wir es vergessen haben oder uns einfach nicht mehr erinnern wollten –, dass das Leben seinem Wesen nach stete Reibung ist), ist natürlich die Wurzel unseres tiefliegenden Widerstands gegenüber der menschlichen Erfahrung. Viele Menschen haben das Gefühl, nicht über ausreichend Widerstandskraft und Immunität zu verfügen, um in diesem stressigen Rennen zu bestehen – und entwickeln vor dem Hintergrund dieser inhärenten Schwäche und Fragilität eine Sehnsucht, sich zurückzuziehen.

Die psychische und spirituelle Komponente, die wir alle brauchen: „Wahre innere Kraft“

Innere Kraft meint das Gefühl, dass wir im Kern unverwüstlich sind. Es handelt sich um das Empfinden, dass in uns ein Selbst existiert, das nicht abhängig ist von den Bestärkungen und Schwächungen, die das Leben nun einmal mit sich bringt. Diese Kraft speist sich nicht daraus, auf verzweifelte Weise äußere Ereignisse aufzubauschen, noch wird sie durch frustrierende oder beschneidende Ereignisse geschwächt. Ohne solch ein inneres, nicht-abhängiges Selbst ist man nicht in der Lage, ein Einverstandensein mit dem unaufhörlichen Druck menschlicher Erfahrung überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Aus diesem Grund habe ich „Power-Psychologie“ entwickelt: ein psychologisches System, das aufzeigt, wie grundlegend diese Komponente innerer Kraft für psychische und spirituelle Integration und Ganzheit ist. Dieses System gibt detailreich Aufschluss über die verschiedenen Wege unserer Psyche, bei Abwesenheit solch einer inneren Kraft komplexe Strukturen zu bilden, die den Mangel zu verbergen versuchen. Doch „Power-Psychologie“ ist mehr als ein bloßes Modell: Das eigentliche Anliegen besteht darin, uns auf praktische Weise darin anzuleiten, wie wir diese Instanz in uns vollends entwickeln können.

Regel Nummer 1: Der Wille ist grundlegend

Woran liegt es, wenn es innerhalb der menschlichen Psyche zur schmerzlichen Abwesenheit innerer Kraft kommt? Die Antwort ist einfach: Das ständige Unterdrücken unseres Willenszentrums macht uns früher oder später schwach und anfällig. Im Wesentlichen handelt es sich beim Willen um den unaufhörlichen Ansporn, mehr zu werden, als man bereits ist; es handelt sich um die Tatkraft, durch die wir uns immer weiter ausdehnen, indem wir Neues erfahren, erreichen und erkennen. Gelingt es uns, unserem Willen entsprechend zu handeln, empfinden wir ein zutiefst zufriedenstellendes Gefühl von Kraft und Selbstausdehnung. Da wir es kulturell und psychologisch jedoch vorziehen, diesen in uns pulsierenden Willen zu verstecken, sogar vor uns selbst, sind wir am Ende gefangen in dem Gefühl, einfach nicht stark genug zu sein, um den Unwägbarkeiten des Lebens mit all seinen Herausforderungen, Zwängen und schwierigen Krisen standzuhalten.
Das Willenszentrum ist ein Hauptzentrum, wenn es darum geht, im Leben etwas wahrzunehmen und zu erfahren – und es spielt eine wichtige Rolle für die psychische Gesundheit. Idealerweise handelt es sich um eine in hohem Maße positive Energiequelle, aus der sich unsere Kraft und unsere Fähigkeit, voll und ganz am Leben und der Welt teilzuhaben, speisen. Natürlich kann das Willenszentrum im unentwickelten und nicht transformierten Zustand auch Quelle einer aufreibenden innerpsychischen Aktivität sein, bei der die Innenwelt von jemandem fortlaufend auf Kriegsfuß mit dem Leben steht. Allerdings ist diese unentwickelte, deformierte Aktivität gewiss kein hinreichender Grund, dieses so sehr benötigte Erfahrungszentrum zu unterdrücken.

Wir unterdrücken einen Bestandteil unserer selbst nur so lange, wie wir uns seiner Bedeutung nicht gewahr sind – nur solange wir nicht wissen, wie wir uns seiner als einem wesentlichen und harmonischen Teil unseres Seins in Ganzheit bedienen können. So gesehen besteht unser wahres Problem darin, nicht zu wissen, wie wir unser Willenszentrum in ein unterstützendes Element unserer Psyche verwandeln und seine Aktivität in den gesegneten Zustand eines unverwüstlichen Selbst transformieren können.

Zuallererst sollten wir lernen, wie wir unseren Willen so einspannen können, dass er zum Wohle des Entstehens eines unverwüstlichen Selbst in uns wirkt. Wir eignen uns die wahrhafte Fähigkeit an, uns selbst zu meistern, unsere Gedanken und unsere Emotionen, und gelangen zu einem einheitlichen System, in dem unsere Willenskraft vereint ist – und somit in der Lage, jedweder Krise oder Herausforderung gut verwurzelt zu begegnen.

Regel Nummer 2: Du bist kein Opfer

Solange wir die vitale Existenz unseres Willenszentrums nicht anerkennen, lässt uns ein komplexer psychischer Prozess früher oder später, durch Abwehr und Verbergen, glauben, wir seien bloße „Opfer“ unseres Lebens. Dieses Phänomen begegnet uns in psychotherapeutischen Prozessen immer und immer wieder – nicht nur bei den Klienten, sondern leider auch in der Grundhaltung mancher Therapeuten, die die „Opferrolle“ als eine Gegebenheit der menschlichen Psyche verstanden wissen wollen. Statt wirklich befähigt zu werden, aktiv am Leben teilzuhaben, regredieren viele so noch weiter in einen Zustand der Schwäche und Zerbrechlichkeit.

Das weit verbreitete psychologische Konzept unseres Zeitalters geht davon aus, dass die Schmerzen und Verletzungen, die wir infolge all der uns von anderen zugefügten „schlimmen Dinge“ erlitten haben, den Kern des menschlichen Unterbewussten bilden. Diese Schmerzen und Verletzungen sind dieser Annahme zufolge der Hauptgrund unseres psychischen Leidens. Einfach ausgedrückt sind wir diesem Verständnis zufolge, zumindest in einem gewissen Ausmaß, Opfer des Lebens, mit einer Psyche, die von äußeren Aggressionen geformt wurde. Doch wie kann solch eine Sichtweise der menschlichen Psyche uns jemals dazu befähigen, in eine Richtung zu reifen, die uns irgendwann voll und ganz einverstanden sein lässt mit der menschlichen Erfahrung? Dazu ist sie schlichtweg nicht in der Lage – wenn überhaupt, ist sie ein hartnäckiges Hemmnis für unser Vermögen, eine tiefgreifende Reifung überhaupt für möglich zu halten.

Unser Willenszentrum auf diese Weise zu unterdrücken, geht mit dem beträchtlichen Preis einer Schwächung oder gar Ohnmacht einher. Erkennen wir seine vitale und positive Existenz jedoch in uns an, führt uns das womöglich in das gesunde Erleben, tatsächlich am Leben teilhaben zu können – nun, da wir in uns ein aktives Zentrum gefunden haben, das immer darauf aus war, genau dies zu tun. Wir sind keine Opfer, im Gegenteil, wir sind energetisch vom Wollen als einer dem Leben und dem Kosmos innewohnenden Dynamik angetrieben. In vielerlei Hinsicht handelt es sich bei dem Leben um eine Willensaktivität – kosmischem Willen, um genau zu sein –, und dieser Willen ist für unser Leben Quell endloser Energie und Entfaltungsdrangs.

Alles, was wir tun müssen, ist in Erfahrung zu bringen, wie wir die psychischen Verflechtungen unseres unbewussten Willens, deretwegen wir ihn mit dicken Schichten des Verbergens und Kompensierens bedeckt haben, entwirren. Wir müssen in direkten Kontakt mit diesem Willen kommen, und dann anfangen, ihn durch Übungen der inneren Kraft tief ins uns zu verankern, sodass wir letztlich unverwüstlich sind. Solch ein unverwüstlicher Zustand ist der einzige echte Ausdruck psychologischer Stärke.

Wenn du tief eintauchen möchtest in die Theorie der Power-Psychologie, lies „Die Reise zur inneren Kraft“

Wenn du Power-Psychologie in deinem Alltag anwenden möchtest, lies „Das unzerstörbare Du“