Geschrieben von Jan Müller

 

Wir neigen oft zu der Annahme, dass Stress etwas mit der schnellen, überwältigenden Natur unseres modernen Lebens zu tun hat. Schließlich ist dies ein berechtigter Glaube in einer westlichen Gesellschaft, in der fast jeder – von kleinen Kindern bis hin zu älteren Erwachsenen – irgendwie das Gefühl hat, „einfach keine Zeit zu haben“.

Aber wenn wir uns in dieser merkwürdigen Zeit, in der die meisten von uns ja nun mehr Zeit zur Verfügung haben, unter unseren Mitmenschen mal umschauen, kommen wir zu dem überraschenden Schluss, dass es keineswegs weniger Spannung oder Stress in unserem Leben gibt. In Wirklichkeit ist der innere Druck immer noch da, obwohl doch unsere äußeren Bedingungen ganz anders sind.

Lassen Sie uns etwas Licht auf dieses Thema werfen und damit beginnen, zu verstehen, was Stress wirklich ist.

 

Der Unterschied zwischen akuten und chronischen Stressreaktionen

Stress kann viele Auslöser haben: eine lange Aufgabenliste, ein Telefonanruf von der Bank, eine starke emotionale Reaktion, die uns aus dem Gleichgewicht bringt… Aber die Wahrheit ist, dass die schädlichsten Auswirkungen von Stress eigentlich ohne direkte Beteiligung dieser direkten Auslöser stattfindet. Nämlich durch das gesonderte Phänomen des chronischem Stresses. Sowohl bei akuten als auch bei chronischen Stress-Reaktionen sind zwei Bereiche des Gehirns signifikant beteiligt: die Amygdala (ein emotionales Zentrum des Gehirns) und der Hypothalamus (die Kommandozentrale des Gehirns).

 

Bei einer akuten Stress-Reaktion arbeiten die Amygdala und der Hypothalamus zusammen, um im Wesentlichen Adrenalin in das System abzugeben. Adrenalin bewirkt zusammen mit dem Nervensystem eine höhere Atem-Frequenz, einen erhöhten Blutdruck und eine erhöhte Herz-Frequenz, wodurch das Blut von den Organen weg und zu den Muskeln geleitet wird – was den Körper kumulativ auf den Kampf oder die Flucht vorbereitet. Adrenalin, zusammen mit dieser starken Reaktion des Nervensystems, bewirkt eine höhere Atemfrequenz, einen erhöhten Blutdruck und eine erhöhte Herzfrequenz, wodurch das Blut von den Organen weg und zu den Muskeln geleitet wird, wodurch der Körper kumulativ darauf vorbereitet wird, alles für sein Überleben Notwendige zu tun.

 

Diese primäre Reaktion ist natürlich und verursacht keine dauerhaften Schäden. Nach dieser akuten Reaktion kann jedoch ein sekundärer Mechanismus einsetzen, der als chronischer Stress bezeichnet wird. Im Gegensatz zu akutem Stress hat chronischer Stress nachweislich schwere Auswirkungen auf uns geistig, emotional und körperlich. Genau wie im Falle von akutem Stress wird das sympathische Nervensystem aktiviert, wodurch wir in den Überlebensmodus versetzt werden. Um diesen Prozess zu unterstützen, sendet unser Gehirn Signale an die Nebennieren, um Cortisol zu produzieren, ein Hormon, das den Körper wach hält und das gesamte System in einem lang anhaltenden Stresszustand hält. Das tut es, indem es unseren Blutzucker erhöht, die Wahrnehmung unseres Geistes einschränkt, Verdauungsvorgänge herabsetzt und Reparaturprozesse zurückhält; all das führt auf Dauer zu einer Schwächung unseres Körpers. Kurzum: Cortisol mobilisiert zwar hervorragend Energie-Reserven, aber auf lange Sicht verschleißt es unsere Strukturen, indem es die Zufuhr dringend benötigter Nährstoffe einschränkt und Reparatur-Prozesse verlangsamt.

 

Zahlreiche Krankheiten sind mit chronischem Stress in Verbindung gebracht worden: Herzkrankheiten, Diabetes, Krebs, Autoimmunkrankheiten, Depressionen und Angstzustände, um nur einige zu nennen. Abgesehen von den bereits beschriebenen schädlichen Auswirkungen auf unseren Körper sind auch unser Geist und unsere Emotionen zutiefst betroffen. Tatsächlich hat die jüngste Forschung gezeigt, dass unter chronischem Stress die Nervenzellen im limbischen System (dem Teil des Gehirns, der für unsere Emotionen verantwortlich ist) zu schrumpfen beginnen und die Verbindung zu ihren Nachbarzellen verlieren. Dies könnte auch ein physischer Grund für ein verändertes emotionales Verhalten bei Menschen sein, die unter chronischem Stress leiden.

 

Die Rolle der Chiropraktik

Wenn wir über Stress nachdenken, ist die Chiropraktik nicht unbedingt das Erste, was uns in den Sinn kommt. Die Chiropraktik ist jedoch ein mächtiges Werkzeug, um unser System auf eine tief greifende und wirksame Weise auszurichten. Unter einer Vielzahl von Techniken zur Behandlung von Muskeln, Gelenken und Nerven liegt ihr Schwerpunkt auf der Ausrichtung der Wirbelsäule. Diese besondere Betonung auf die Gesundheit der Wirbelsäule ist einzigartig für die Chiropraktik und ermöglicht es ihr, auf eine Vielzahl von Zuständen Einfluss zu nehmen, darunter viele, die stressbedingt sind.

 

Die zwei Seiten der Chiropraktik

Um tiefer in die Wirkungen der Chiropraktik einzutauchen, unterscheiden wir zwischen zwei Arten von Wirkungen. Sicherlich ist dies eine zu starke Vereinfachung der Materie, aber für unsere Zwecke ist es am besten, neuromuskulär-skelettale Effekte (Zustände, die mit den Muskeln, Gelenken oder dem Nervensystem zusammenhängen) und die Effekte, die über die neuromuskulär-skelettale Ebene hinausgehen, zu unterscheiden. Wenn du zum Beispiel einen verstauchten Knöchel hast und einen Chiropraktiker aufsuchst, der mit dem Gelenk arbeitet, um es zu entlasten, dann ist dies in erster Linie eine Behandlung auf der muskulär-skelettalen Ebene. Wenn du jedoch einen Chiropraktiker bei Zuständen wie Schwindel, chronischen Schmerzen oder anderen komplexeren Zuständen aufsuchst, geht dies über die neuromuskulär-skelettale Ebene hinaus.

 

Wirkungsmechanismen der Chiropraktik

Die Auswirkungen der Chiropraktik sind enorm und erfordern ein vielschichtiges Verständnis der beteiligten Prozesse. Auf der Grundebene haben chiropraktische Anpassungen einen direkten Einfluss auf die Gelenke, indem sie diese lockern und ihren normalen Bewegungsumfang wiederherstellen. Infolgedessen kann sich unser Körper harmonischer bewegen und muss andere Gelenke nicht mehr belasten, um den Bewegungsverlust auszugleichen.

Vom Gelenk gelangt die Information über den freigewordenen Bewegungsumfang zu unserem Rückenmark, wo sie verarbeitet wird. Von hier aus treten positive Effekte ein: Die Muskeln, die das behandelte Gelenk umgeben, können sich entspannen und Schmerzen können in diesem Moment während des Prozesses stark vermindert werden.

Von der Wirbelsäule werden Informationen an das Gehirn weitergeleitet. Das Gehirn als unser Kontrollzentrum ist für die Regulierung fast aller unserer Körpersysteme zuständig. Wenn die Informationen hier ankommen, können sie tiefgreifende Auswirkungen auf unseren emotionalen Zustand, die Muskelspannung im gesamten Körper und – was ebenfalls sehr wichtig ist – auf unsere Schmerzempfindung haben.

Im innersten Teil unseres Gehirns befindet sich auch die wichtigste Hormondrüse, die das Herzstück der Produktion aller Hormone in unserem Körper ist. Wenn man die richtigen Informationen erhält, kann die Hormonproduktion, einschließlich der Produktion des wichtigsten Stresshormons Cortisol, erheblich beeinflusst werden.

 

Wie Chiropraktik Stress beeinflusst

Wie Sie sehen können, überschneiden sich die physischen Strukturen, die chronischen Stress leiten, weitgehend mit den Strukturen, die den Behandlungseffekt der Chiropraktik ausführen. Sowohl chronischer Stress als auch die chiropraktische Behandlung wirken sich auf unser Hormonsystem und unser autonomes Nervensystem aus, die darüber entscheiden, ob wir gestresst oder ruhig sind. Beide wirken auf Bereiche in unserem Gehirn, die für Emotionen und Schmerzen verantwortlich sind.

Diese gemeinsame Struktur ermöglicht es der Chiropraktik, die Auswirkungen von Stress, wie erhöhte Muskelspannung und erhöhte Cortisolspiegel, zu reduzieren. Auch kann das Aktivierungsmuster unseres Gehirns neu eingestellt werden, um mit chronischem Stress besser umgehen zu können.

In der Klinik leiden die meisten meiner Patienten unter direktem chronischen Stress oder sind indirekt von ihrem Lebensstil betroffen, den sie an die ständigen Bedürfnisse und Wünsche unserer heutigen Gesellschaft angepasst haben. Die Behandlung kann dazu beitragen, die vorübergehenden Auswirkungen von Stress zu lindern und einen Teil des damit verbundenen Drucks abzubauen. Ich möchte alle Leser und Patienten dazu ermutigen, diese Zeiten der gefühlten Freiheit zu genießen und gleichzeitig diese Pausen effizient zu nutzen und über ihre inneren Reaktionen auf äußeren Druck nachzudenken, aber auch über den Lebensstil und die alltäglichen Entscheidungen, die sie treffen und aufrecht erhalten. Diese Umgangsweise wird zu Erkenntnissen und einer ganzheitlichen Veränderung unseres Lebens führen.

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